die kunst ein bewusstes & kreatives leben zu führen

Was braucht man wirklich?

Was benötigt man für ein gutes Leben?
Sicherlich sieht die Antwort bei dir etwas anders aus, als bei mir. Jedoch bin ich immer mehr davon überzeugt, dass es sehr wenige Dinge sind.

Drei Wochen Norwegen im Wohnmobil auf engstem Raum mit drei Personen und Hund haben mich folgendes gelehrt:

1. Dass ich jede einigermassen saubere Dusche nutze, um mal wieder ein Frischegefühl zu erleben

Hygiene gehörte für mich bisher eigentlich immer zum ersten Ritual am Morgen und ungeduscht ging ich bisher kaum aus dem Haus. Wenn die Dusche im rollenden TinyHouse aber so klein und eng ist, dass man sich, kaum bewegt man sich etwas, links und rechts überall anstösst, dann überlegt man sich jeden Morgen, ob es denn tatsächlich grade so nötig ist. Ich habe mich dann oft für die Katzenwäsche entschieden. Sobald wir aber wieder einen Campingplatz angefahren haben und nicht wild im Nirgendwo standen, wurde die Dusche Pflichtprogramm. Und weisst du was? Dieses herrliche Gefühl, eine lange heisse Dusche zu bekommen, wenn sie nicht jeden Tag verfügbar ist, ist der pure Luxus! Wer hätte gedacht, dass ich mich mal so über heisses Wasser freue!

2. Dass ich einfach mal die Klappe halte, wenn ich einer Diskussion nicht aus dem Weg gehen kann und ganz anderer Meinung bin

Wir sind sehr viele Tage hauptsächlich im Auto gesessen und hatten so natürlich keine Möglichkeit, mal für sich zu sein. Natürlich gab es gerade an solchen Tagen gerne mal Diskussionen oder Streitereien. Aber was macht man, wenn man grade gut aufgeladen ist mit Wut, aber den Raum nicht einfach mal ein paar Minuten verlassen kann? Zuhause ist das kein Problem. Da geht man einfach mal an die frische Luft. Bei einem fahrenden Wohnmobil eher etwas schwierig…
Da ich normalerweise Streitereien erst für mich abhaken kann, wenn ich die Sicht- und Handlungsweise des anderen nachvollziehen und verstehen kann, kann ich ganz schön hartnäckig sein. Ich habe aber festgestellt, dass es in so einer Situation auch eine andere Lösung geben muss. Daher hielt ich dann manchmal einfach meinen Mund und bin nicht weiter auf die Themen eingegangen. Das hat die Diskussion meist beendet und es herrschte wieder Ruhe. Aber in mir drin hat es trotzdem noch gearbeitet. Die optimalste Lösung ist das nicht. Zu wissen, dass es aber nicht immer bis zu Ende diskutiert sein muss, ist trotzdem hilfreich.

3. Dass es an den abgelegensten Plätzen am schönsten ist

Ok, das wusste ich vorher schon, denn diese Orte ziehen mich magisch an. Diese Reise hat mir aber wiedereinmal bestätigt, dass es mir am meisten gibt, auf Seen, Berge und Wälder zu schauen, nix zu müssen, nur da sein zu dürfen und zu geniessen. Und dann passieren kleine Wunder. Auch arbeiten an einem solchen Ort ist wundervoll entspannend und Stress kommt so gut wie keiner auf, auch wenn das Thema vielleicht grade nicht so schön und interessant ist.

4. Dass man Schafe und Kühe frei laufen lassen kann

Auch wenn ich mich mittlerweile nicht mehr als Veganer bezeichnen kann, so liegt mir doch das Wohl der Tiere und unserer Erde unglaublich am Herzen. Das ist der Grund, warum ich in meinem Alltag versuche, weniger Müll zu erzeugen und meine Lebensmittel dort kaufe, wo sie in meinen Augen und soweit ich das überschauen kann, vernünftig und gesund produziert werden. Da wir hier in Deutschland hauptsächlich eingesperrte Tiere vorfinden, habe ich wirklich grosse Augen gemacht, als uns auf den ersten norwegischen Kilometern freie Schaf- und Kuhherden am Strassenrand begegnet sind. Es gibt sogar Warnschilder an der Strasse, dass Schafe kreuzen könnten. Und das tun sie auch. Manche schlafen auf dem Asphalt (ist wohl schön warm da) und anderen scheint das Gras direkt an der Strasse besser zu schmecken, als woanders.
Schafe leben in Norwegen ohne jede Aufsicht. Ihre einzige Aufgabe ist es, zum Schutz der Landschaft beizutragen. Das bedeutet, dass man sie überall fressen lässt, damit die Landschaft offen bleibt und nicht komplett “verwaldet”.

Mich hat das sehr beeindruckt. Norwegen, du machst vieles sehr richtig. Da geht mir das Herz auf.

5. Dass ich keine aufwendigen Gerichte kochen muss, um satt und zufrieden zu sein

Das leidige Thema des Essens und vorallem Kochens. Generell achte ich sehr stark auf eine gesunde und ausgewogene, hauptsächlich pflanzenbasierte  Ernährung. Wenn man jedoch mit einem Kind gesegnet ist, welches kaum eine Sorte Gemüse mag, hat man nach 16 Jahren echt keine Lust mehr. Ich empfinde kochen als mühselig in meinem Alltag. Um da ein wenig mehr Lust reinzubringen, habe ich vor Jahren angefangen, ständig neue Rezepte auszuprobieren, damit es mir mindestens noch ein bisschen Spass macht. Und das endete oft in langen Koch-Sessions, weil die Rezepte doch etwas aufwändiger waren.
Auf der Reise hatten wir aber nur drei kleine Kochplatten und sehr wenig Töpfe. Ich hatte auch keine Lust, Rezepte rauszusuchen. Daher assen wir sehr häufig dasselbe und vorallem sehr schnelle, einfache Gerichte. Und ich habe rausgefunden, dass ich sehr gut 3 mal die Woche Nudeln und Tomatensauce essen und geniessen kann.

Fazit: Ich mach mir das Leben jetzt einfacher und koche unkomplizierter!

6. Dass Stricken und Schreiben in dieser wundervoll prächtigen Natur am allerschönsten ist

Nicht, dass für mich das Stricken und das Handlettern, Bulletjournaling oder einfach das Schreiben nicht schon eh sehr entspannend und bereichernd wären, nein: in so einer Umgebung wird daraus ein grossartiges Erlebnis. Da wirken noch so viele Elemente mehr in diese Tätigkeiten ein, sodass eine grossartige Symphonie des Gutfühlens entsteht.

So gerne ich zuhause in meiner gemütlichen Wohnung auf meinem Schaukelstuhl stricke, die Ruhe geniesse und die Zeit für mich; so gerne ich mich mit Strick-Freunden in einem Café treffe zum gemeinsamen Stricken und Quatschen; soviel schöner ist es doch draussen in der Natur mit dem Blick auf einen türkisfarbenen See, bewaldete Berge und sattgrüne Wiesen.

7. Dass in Seen schwimmen mich innerlich sofort entspannt und beruhigt

Auf der Durchreise in Schweden, aber auch in Norwegen hatte ich die Möglichkeit, in wundervollem Wasser der dortigen Seen zu schwimmen. Da ich eine echte Frostbeule bin und das Wasser wirklich nicht zu kalt sein darf, damit ich mich rein traue, war es eine grosse Überwindung. Aber es hat sich sowas von gelohnt. In Schweden war der Schwimmbereich extrem begrenzt, sodass nur ein paar Meter neben dem Steg für Schwimmer zur Verfügung stand aber in Norwegen konnte ich einfach drauflos schwimmen. Immer weiter hinaus. Es war herrlich, die Temperaturunterschiede zu spüren, je weiter ich draussen war. Es war so entspannend, auf den Horizont zu schauen und den Kopf schlagartig leer zu haben.
Ich bin normalerweise nicht so der Schwimmer, denn chloriertes Badewasser in den Frei- und Hallenbädern turnt mich sehr ab. Auch habe ich nie das Kraulen gelernt und schwimme wie ne alte Oma. Auf Dauer ist das also nicht so angenehm für den Nacken und nicht gut für den Rücken.
Aber ich überlege ernsthaft, ob ich hier nicht auch so einen schönen Badesee auftun kann, an dem sich nicht tausende von Menschen tummeln und in dem schwimmen Spass macht. Zumindest im Sommer. 😉

8. Dass ich auf Reisen immer die besten Ideen und die grösste Inspiration habe

Reisen macht meinen Kopf leer und mein Herz voll. Dadurch, dass der gewohnte Alltag mit all den vielen To-Do´s, die wir uns meist selbst aufbürden, wegfällt, gibt es Platz im Kopf – ganz viel Platz! Und plötzlich können Ideen Raum bekommen, die es sonst echt schwer haben, durchzukommen und gehört zu werden. Anfangs, wenn so eine Idee auftaucht, denke ich meist: “Ach ne…viel zu kompliziert, das ist nicht machbar.”
Und dann reift sie…..und taucht nochmal auf. Und dann fängt es an Spass zu machen! 🙂

So habe ich in diesen drei Wochen auch viele Ideen für meine neue Berufung mitgenommen. Die meisten Einfälle hatte ich während der langen Autofahrten durch diese phänomenale Landschaft. Plopp – waren sie da! Langsam werden diese konkreter und ich werde mich in den nächsten Wochen intensiv damit auseinandersetzen und schauen, was sich davon wie umsetzen lässt.

9. Dass ich in Zukunft darauf achtgeben muss, dass mir meine Urlaube auch genug Zeit für mich alleine geben

In der ersten Euphorie zu diesem Spontan-Trip habe ich nicht gut genug aufgepasst. Und verpasst, zu bedenken, dass wir alle drei Menschen sind, die regelmässig viel Zeit für sich brauchen. Und das heisst, Zeit ohne andere Menschen im gleichen Raum. Ruhe. Frieden.

Das ist uns etwas auf den Kopf gefallen, als wir nach einer Woche den Gruppen-Koller bei uns begrüssen konnten. Bei mir zeigt sich das ganz schnell in Form von aufsteigender Aggressivität. Ich pampe die anderen dann relativ grundlos an und reagiere über. Mein Sohn wurde immer stiller und teils auch sehr ungehalten. Dieses Thema zu integrieren, wenn man ständig in einem Wohnmobil unterwegs ist, ist eine Herausforderung. Mein Freund meinte irgendwann, ob wir nicht irgendwo ein paar Tage eine Ferienwohnung mieten sollen, damit jeder ein Zimmer hat, in das er sich zurückziehen kann. Da wir aber noch viele Kilometer vor uns hatten, haben wir diese Idee dann fallen gelassen.

Aber man lernt ja nie aus! Diesen Punkt werde ich garantiert nicht mehr vergessen in Zukunft. Denn Urlaub soll schön und entspannend sein. Und wenn sowas dazugehört, dann ist das eben so.

10. Dass mein jetziger Wohnort nicht der Ort ist, an dem ich bleiben möchte

Dass ich in Wiesbaden nicht glücklich bin, ist kein Geheimnis. Ich bin zwar aus freien Stücken hierher gezogen, ohne die Stadt und die Gegend zu kennen, aber ich hatte meine Gründe. Nun habe ich aber schon in den ersten Wochen gemerkt, dass ich hier nie wirklich ankommen werde. Es ist schwer, hier offene Menschen zu finden, die Interesse haben, sich über mehr als das Wetter und die Nachbarn zu unterhalten. Und wie du vielleicht schon weisst, möchte ich gerne tiefere Verbindungen zu den Menschen in meinem Umfeld pflegen. Dazu gehören aber beide Seiten und das scheint hier nicht so ein Trend zu sein. 😉
Mein Sohn darf nun aber erstmal die Schule hier abschliessen und sich dann für einen weiteren Lebensweg entscheiden. Nach so vielen Umzügen, die er ohne Murren mitgemacht hat, hat er sich etwas Ruhe und Stabilität verdient.

Mich persönlich zieht es allerdings raus in die Welt. Mein Traum ist ein Tiny House, wie das von Wohnwagon. An Orten zu leben, die mich inspirieren, an denen meine dicken Freunde verstreut sind und die mir einfach gut tun. Die Möglichkeit zu haben, weiterzuziehen und das Häuschen mitzunehmen, wenn es mir irgendwo nicht mehr gefällt. Dabei wäre Norwegen wohl aktuell eins meiner ersten Ziele, zumindest im Sommer. Ob ich die Winter dort aushalten könnte, daran zweifle ich. Aber die Sommer definitiv.

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