die kunst ein bewusstes & kreatives leben zu führen
Valentina Consalvi

Valentina Consalvi

Ich bin überzeugt davon, dass uns Vorbilder helfen können, unsere eigenen Wünsche und Ziele zu erreichen. Deswegen habe ich die Serie „conscious creatives auf den Zahn gefühlt“ ins Leben gerufen. Hier möchte ich dir immer wieder Menschen vorstellen, die ihr Leben sehr bewusst und kreativ gestalten.


Ich hatte im Juni 2018 die Ehre, im Retreat des Laine Magazins, Valentina Consalvi kennenzulernen. Sie ist mir sofort ganz arg ans Herz gewachsen und seither möchte ich sie nicht mehr missen. Sie betreibt ihre Firma „Snailyarn“ in Ariccia bei Rom und hat sich in den letzten Jahren in der Strickszene als Handfärberin einen Namen gemacht. Sie wird uns im „Back to the wool„-Retreat zeigen, wie man mit Pflanzen, Kräutern und Küchenresten wundervoll natürlich und nachhaltig Wolle färben kann. Heute dürfen wir noch etwas mehr über sie erfahren, denn sie stand mir als Interviewpartnerin zur Verfügung.

Liebe Valentina, …
… wann und wie bist du auf die Idee gekommen, Handfärberin zu werden?

Ich glaube es begann vor etwa 8 Jahren, als ich wieder zu stricken begann.
Das Stricken hat mich seit meiner Kindheit fasziniert, meine Mutter hat gestrickt, bis ich ein Baby war. Als ich ein Kind war, spielte ich an kalten Wintertagen gerne mit Mamas Strickbeutel und bat sie ständig, mir das Stricken beizubringen. Aber ich strickte nicht weiter, als ich älter wurde.

Aber vor etwa 8 Jahren ging ich mit meiner Mutter in einem Modegeschäft einkaufen, und als ich wiedereinmal einen 100%-Acrylpullover für über 100 € in der Hand hielt, dachte ich: „Es macht keinen Sinn, für einen Plastik-Pulli, der mich nicht mal warm hält, so viel auszugeben! Ich kann stricken, ich stricke mir einen Wollpullover!“
Glücklicherweise gab es bereits das Internet, also fing ich an, nach Mustern zu suchen. Und fand dann schnell meinen ersten Online-Wollladen, Strickmuster und vor allem Ravelry, von dem ich sagen kann, dass es mein Leben verändert hat! Ich habe von unabhängigen Strickdesignern erfahren. Zu dieser Zeit hatten Kate Davies und Ysolda gerade ihre ersten Designs auf Ravelry veröffentlicht.

Ich war infiziert und wurde vom Stricken und Ravelry  wie besessen. Seit diesem Moment habe ich davon geträumt, von einem Hobby zu leben, von einer Leidenschaft, etwas, das ich liebe, wie die meisten von uns wahrscheinlich tun.

Mit der Zeit entdeckte ich handgefärbte Garne und Indie-Garne. Als ich feststellte, dass die Leute ihre Garne selbst färbten und verkauften, entschied ich mich, es auszuprobieren. Ich googelte, kaufte Lebensmittelfarben und versuchte Garnreste einzufärben. Aber ich wusste sofort, dass ich mehr wollte, also kaufte ich Bücher, einige aus den Staaten, ein paar Wollfarben und billiges Garn, und alles nahm seinen Anfang. Ich habe monatelang experimentiert und gelernt, bis ich mich zuversichtlich genug fühlte, meinen Shop zu eröffnen. Was dann im August 2014 geschah.

Snailyarn natürlich gefärbte Wolle

… bist du mit Eltern aufgewachsen, die sehr offen und bewusst mit dem Leben umgingen? Welcher Aspekt in deiner Erziehung hatte den nachhaltigsten Effekt auf dich?

Das würde ich nicht sagen. Meine Eltern waren sehr konservativ, sie stammten aus einfachen Familien und übten traditionelle Jobs aus. Sie gaben mir die Möglichkeit, meine Entscheidungen über das Studium, den Beruf usw. selbst zu treffen. Die meisten meiner Entscheidungen sind jedoch erst nach meiner Ausbildung gefallen. Aber ich war schon immer ein bisschen rebellisch, neugierig und irgendwie offen. Ich habe immer davon geträumt, raus zu gehen und die Welt zu erkunden. Ich brauchte einige Zeit, um aus mir raus zu gehen und meinem inneren Selbst zu folgen. Ich erforsche das immer noch. Ich weiß immer noch nicht, wer ich bin oder was ich will, aber die Reise gefällt mir ganz gut. 🙂

… wer und was inspiriert dich?

Die Natur ist meine Haupt-Inspirationsquelle für Farben. Sie besitzt alle Farben, die man sich vorstellen kann. Nachdem ich angefangen hatte zu färben, begann ich Dinge mit anderen Augen zu betrachten. Und ich kann nicht mehr damit aufhören, alle Farben um mich herum zu beobachten und mir vorzustellen, diese auf Garne zu färben, besonders wenn ich im Wald spazieren gehe. Auf jeden Fall kommen die meisten meiner Ideen in ruhigen Momenten, wenn ich nicht wegen der Arbeit oder Terminen gestresst bin.

Auch andere Leute, vor allem kreative Macher, inspirieren mich auf unterschiedliche Weise. Durch ihre Ideen oder Kreationen, ihren Stil, ihre Art der Kommunikation, durch ihre Fähigkeit, ihrem Traum zu folgen. Ich lerne ständig etwas, wenn ich die Werke anderer betrachte und verändere mich ständig. Ich denke, ich komme meinem wahren Ich näher, Schritt für Schritt.

„Suche weiter nach deinem eigenen Weg und folge diesem, egal was passiert.“

… irgendwann kommt wohl jeder Mensch, der sich bewusst mit dem Leben beschäftigt, zu der Frage, was er mit seinem Tun der Welt und den Menschen Gutes tut/tun kann. Hast du dir diese Frage schon einmal gestellt?

Ich denke die meiste Zeit darüber nach, vor allem im Bezug auf unsere Umwelt. Ich versuche jeden Tag etwas Gutes für die Welt oder die Menschen zu tun. Dadurch, dass ich Dinge wiederverwende oder recycle, dass ich keine Lebensmittel mit zu viel Verpackung kaufe, dass ich fairtrade oder bio direkt bei den örtlichen Landwirten und Produzenten einkaufe. Auch versuche ich Lebensmittelverschwendung zu vermeiden und öfter zu Fuss zu gehen, anstatt das Auto zu benutzen. Ich bin zwar nicht immer so gut darin, aber ich gebe mein Bestes. Ich glaube, wenn wir alle versuchen würden, unseren ökologischen Fußabdruck zu reduzieren, wäre die Welt ein viel besserer Ort für alle Lebewesen. Ich glaube auch, dass Freundlichkeit und ein Lächeln manchmal einen guten Tag verbessern können. 🙂

Und natürlich versuche ich, all das auch in meiner Arbeit anzuwenden. Das ist nicht so einfach, aber ich versuche mich ständig zu verbessern.

snailyarn… in welcher Form spielen für dich gleichgesinnte Menschen eine Rolle? Tut es dir gut, dich zu den Themen, die dich tief bewegen, auszutauschen oder beschäftigst du dich lieber im Stillen damit?

Eigentlich bin ich nicht so gut darin, Leuten zu erzählen oder ihnen zu erklären, was ich liebe und an was ich glaube. Ich kann das viel besser mit Gleichgesinnten, weil sie verstehen, aber oft auch unterschiedliche Standpunkte und Reflexionspunkte anbieten. Aber generell kann ich die meiste Zeit sehr gut mit mir alleine im Stillen verbringen und reflektieren. 🙂

… was bedeutet es für dich ein kreatives Leben zu führen?

Dies ist vermutlich die schwierigste Frage. Ich bin mir nicht sicher. Vielleicht bedeutet es, niemals aufzuhören zu überlegen, was du jetzt bist oder tust. Ein Endpunkt, aber auch ein Neustart. Sich selbst zu hinterfragen, zu wachsen und sich zu verändern. Dein Leben nicht so zu leben, wie andere es erwarten, sondern wie du es erwartest. Um weiter nach deinem eigenen Weg zu suchen und diesem zu folgen, egal was passiert.

Copyright Fotos: Valentina Consalvi