die kunst ein bewusstes & kreatives leben zu führen

Und ich bin immer noch hier

Obwohl ich schon so häufig keine Kraft mehr hatte, keinen Blick mehr in die Zukunft und somit keine Hoffnung. Aber ich bin noch hier. Und nur das zählt.

Mein Leben hat mir eine nach außen hin relativ unbeschwerte Kindheit geschenkt, jedoch sind da hinter der Fassade einige Dinge geschehen, die selbst ich erst vor einigen Jahren wieder an die Oberfläche und somit in mein Bewusstsein ließ. Dann jedoch kamen die Erinnerungen mit einer Wucht, die ich nicht abzufedern wusste. Es hat mir regelrecht den Boden unter den Füßen weggezogen. Nicht, dass ich es nicht hätte ahnen können. Ich habe, seit ich 16 Jahre alt war, alle möglichen therapeutischen Versuche unternommen, mein Nicht-Wohlfühlen irgendwie zu verstehen und zu lösen. Aber solange man Erlebnisse verdrängt, kann man nur an der Oberfläche kratzen. Was kurzzeitig Linderung verschafft, dich jedoch ganz schnell wieder an den ursprünglichen Punkt kommen lässt.

Ich machte mich auf den Weg

Meine Selbstentdeckungsreise begann mit der Teilnahme an einer “Alpha Mind”-Gruppe, die sich regelmäßig traf. Wir praktizierten eine bestimmte Technik , um in den Alpha Zustand des Gehirns zu kommen. Dort waren, nach Angabe unserer Trainerin, Veränderungen in unserem Unterbewusstsein möglich.
Ich war in dieser Gruppe mit meinen 16 Jahren weitaus die Jüngste, aber wohl auch die Motivierteste. Im Nachhinein kann ich sagen, dass ich dort zum ersten Mal spürbar erfahren habe, wie hochsensibel ich bin und dass es soviel mehr auf dieser Welt gibt, als das, was wir greifbar wahrnehmen können.

Das dort Erlebte hat mich so fasziniert, dass ich mich auf die Suche nach weiteren Methoden machte, die mir vielleicht durch ihre “Ungreifbarkeit” helfen konnten, mich besser zu fühlen. Ich begab mich in den tiefen Dschungel der Esoterik, der Alternativmedizin aber auch der klassischen Medizin.
Dort habe ich einige Jahre verbracht, kam tatsächlich einige Schritte weiter und verfiel dem ein oder anderen Versprechen. Ich habe in dieser Zeit sehr viel über mich selbst gelernt. Es gibt Methoden, die mir absolut gar nicht helfen konnten, welche, die ich für gefährlich halte, aber eben auch jene, die Gold wert sind. Und genauso, wie wir Milliarden von Menschen alle so unterschiedlich sind, gibt es genauso viele unterschiedliche Ansätze zur inneren Heilung. Du musst nur denjenigen finden, der zu dir passt.
Es ist schwer, dabei die Hoffnung nicht zu verlieren. Einen Grund zu haben, immer noch weiterzumachen. Vor allem, wenn du wieder an einen Punkt kommst, den du geglaubt hast, schon gelöst zu haben.
Eine gute Freundin hat mir in so einer Phase mal die Symbolik der Baumringe mit auf den Weg gegeben.

Wir kommen zwar immer wieder an die gleichen Punkte, aber wie bei den Baumringen bewegen wir uns immer weiter nach außen. Und somit vorwärts.

Das hat mir sehr geholfen, diese Kreise, die wir ziehen, zu verstehen und darüber nicht zu verzweifeln.
Ich vermute, wenn ich keine Mutter wäre, hätte mein Durchhaltewillen schneller den Geist aufgegeben. Aber den Grund zu haben, für eine Person verantwortlich und ein Vorbild zu sein, hat mir immer und immer wieder die Kraft gegeben, durchzuhalten, weiterzumachen, das Positive in dem ganzen Mist zu finden.

Und jetzt?

So habe ich also 22 Jahre damit verbracht, den Weg aus meinem unglaublich anstrengenden Leben zu finden. Und ich habe wirklich alles gegeben.
Und erst jetzt kann ich behaupten, eine gewisse Stabilität erreicht zu haben, die mich unbeschwert in die Zukunft schauen lässt. In der es um mein wirkliches Ich gehen darf und nicht um die zahlreichen Verletzungen, die ich erfahren habe. Diese gehören zu mir. Sie lassen sich wohl nie ganz ablegen. Und sie machen mich auch zu dem Menschen, der ich bin. Es hat nicht nur negative Auswirkungen gehabt, mit diesem Trauma aufzuwachsen. Es hat sich auch viel Gutes daraus entwickelt.
Und ich glaube, dass das die größte Schwierigkeit ist, im Umgang mit Kindheitstraumen und negativen Erfahrungen. Wir tendieren dazu, sie zu bekämpfen, ohne sie sein zu wollen. Wir verfluchen die Menschen, die uns schlimme Dinge angetan haben, selbst wenn wir wissen und verstehen, welche Last die Täter selbst mit sich rumtragen. Ich habe diese Theorie immer belächelt, aber sie hat mir schlussendlich zu meinem inneren Frieden verholfen:

Akzeptiere, dass auch all die negativen Erfahrungen zu dir und deinem Leben gehören. Du musst sie nicht abgöttisch lieben, nein! Aber nimm sie an als Teil deines Selbst.

Und dann kann Ruhe einkehren. Versprochen! 🙂

Foto: @gabrielj_photography - unsplash.com

Comments (2):

  1. Inna

    27. Juli 2018 at 10:35

    Ich bin neulich auf diese Zitate gestoßen. Sie passen so gut zu Deinen Worten: “Hier offenbart sich die Doppelnatur des Traumas”, sagt der Therapeut Peter Levine. “Zum einen birgt es eine zerstörerische Kraft, zum anderen die Macht zu Transformation und Wiederauferstehung.

    Wie schön, dass Du durch das Durchlaufen dieser Transformation Deinen inneren Frieden gefunden hast. Dass Du zu Dir gefunden hast. Zu Deinem wirklichen Ich. ♥

    Fühl Dich gedrückt,
    Inna

    Antworten
    • vivianne

      27. Juli 2018 at 11:01

      Ja, da hast du Recht. Es hat immer zwei Seiten. Eine gute Freundin von mir sagte einmal: “Man kriegt nur, was man auch bewältigen und schaffen kann.” Das hat mir oft durch schlimme Tage geholfen.

      Antworten

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