die kunst ein bewusstes & kreatives leben zu führen

Lass dich treiben

Heute Nacht hat der Wind um das Wohnmobil gepfiffen, als gäbe es kein Morgen, sodass ich kaum geschlafen habe. Es hat gerüttelt und gescheppert und irgendwann, nach etlichen erfolglosen Einschlafversuchen, kam dann noch so eine Mutter-Sorge in mir auf. Nämlich, dass das Zelt, in welchem mein Sohn schlief, dem starken Wind nicht standhalten könnte. Und dann war es vorbei mit der auch dann schon sehr entfernten Möglichkeit, diese Nacht noch schlafen zu können.

Wenn ich an einem solchen Punkt, an welchem sich meine Gedanken komplett versponnen haben, ankomme, versuche ich es mit Mental- und Entspannungsübungen. Ich versuche dann erstmal bewusster und langsamer ein- und auszuatmen. Meist konsultiere ich dann im Geiste noch meine zwei inneren Begleiter und bitte um Rat oder um eine Antwort auf eine Frage, die ich mir stelle. Diese Begleiter sind vergleichbar mit den unsichtbaren Freunden von Kindern, die ihnen Halt und Unterstützung geben. Mit dem Unterschied, dass ich weiss, dass es innere Begleiter sind und sie nicht greifbar in meiner äusseren Welt existieren. 😉
Die Antworten sind jedoch jedesmal phänomenal passend und einfach. Sie zeigen mir immer wieder, dass dies einfach nur ein greifbarer Weg zu meiner Intuition und meiner inneren Weisheit ist. Diese besitzen wir ja alle, davon bin ich überzeugt. Wir haben in unserem Erwachsenwerden nur meist die Fähigkeit verloren, diese wahrzunehmen und ihr zu vertrauen.
Aber ich schweife ab….

Meine Begleiter konnte ich heute Nacht leider nicht finden.
Also habe ich irgendwann resigniert und gehofft, dass das Zelt stark genug ist (schliesslich war mein Sohn bis zu diesem Zeitpunkt noch nicht ins Wohnmobil geflüchtet….es konnte ja also gar nicht so schlimm sein, richtig?) und dass die Nacht bald vorüber ist.
Es hat sich aber sehr in die Länge gezogen. Gefühlt habe ich maximal eine Stunde geschlafen.
Dementsprechend erschöpft war ich dann heute morgen am Frühstückstisch. Vor allem aber war ich frustriert. Habe ich mir doch heute bewusst Zeit für mich und zum Schreiben eingeplant. Doch ich fühlte mich in diesem Moment überhaupt nicht fähig, auch nur einen Satz auf das Papier zu bringen. Mein Freund meinte dann nur: „Schreib doch einfach trotzdem!“

Und er hatte Recht

Wenn ich einfach draus los schreibe, das Leben das Leben sein lasse, dann entstehen die besten Texte. Aber ich hatte doch ein Thema geplant….ich wollte über etwas ganz Bestimmtes schreiben. Tja!
Das Leben fliessen lassen habe ich erst in den letzten Monaten gelernt. Davor war ich ein fetter Kontroll-Freak. Ungeplantes oder Abweichungen eines Ablaufes haben mir unbewusst Angst eingejagt und mich immer schnell erstarren lassen. In solchen Momenten habe ich mich dann einfach gar nicht mehr bewegt. Vor allem gedanklich nicht. Das kleine, sture Mädchen in mir hat dann die Führung übernommen und war schwer wieder vom Sockel zu stossen.
Seit ich nun mehr Vertrauen in das Leben generell entwickeln konnte, ist der Kontrollzwang einer gewissen Spontanitäts-Option gewichen. Total locker bin ich nach wie vor nicht, wenn ungeplante Elemente in Erscheinung treten, aber ich kann die Situation meist erstmal überschauen, bevor ich automatisch reagiere und das Mädel wieder stärker werden kann.
Und damit wiederum ermächtige ich mich selbst dazu, mein Verhalten selbst in die Hand zu nehmen. Das ist ein saugutes Gefühl!

Durch die nun öfters erlaubte Spontanität entstehen so tolle Erlebnisse! Diese möchte ich nicht mehr missen in meinem Leben.
Wie zum Beispiel dieser Urlaub:
Eigentlich wollten wir in diesem Sommer zu Hause bleiben. Ich hatte mich bereits auf viele schöne Stunden im Garten gefreut. Hatte Gemüse angepflanzt und wollte mich einfach etwas treiben lassen. Als mein Freund vor 2 Wochen aber vorgeschlagen hat, einfach das Wohnmobil zu packen und Richtung Norwegen zu fahren, von unterwegs zu arbeiten und neue Welten zu entdecken, habe ich bemerkt, wie ich sofort Feuer & Flamme war.
Und dies sind die Momente, in denen ich stolz darauf bin, dass ich durchgehalten habe. Trotz der vielen schlechten Zeiten. Dass ich diesen Weg zu mir selbst überhaupt erst angetreten und nie umgedreht habe.

Auf ein entspanntes Leben, was fliessen und geschehen darf!

Foto: Ingo Ballmann

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