die kunst ein bewusstes & kreatives leben zu führen

Jumana Mattukat

Ich bin überzeugt davon, dass uns Vorbilder helfen können, unsere eigenen Wünsche und Ziele zu erreichen. Deswegen habe ich die Serie “conscious creatives auf den Zahn gefühlt” ins Leben gerufen. Hier möchte ich dir immer wieder Menschen vorstellen, die schon sehr bewusst und kreativ ihr Leben gestalten.


Mein erster Interview-Gast war Jumana Mattukat. Jumana hat 13 Jahre lang im Fernsehen moderiert und arbeitet heute als selbständiger Coach und Gründerin der „Schule für Intuition“ in Bremen.

Liebe Jumana …
…gab es irgendwann einen Moment in deinem Leben, als dir bewusst geworden ist, dass du mit Menschen arbeiten und sie coachen möchtest oder hat sich das eher einfach so ergeben?

Das weiss ich noch ziemlich genau, was das für ein Moment war!

Ich habe Christina Kessler, meine spätere Lehrerin, über meinen alten Job beim Fernsehen kennengelernt, weil sie mir als Interview-Gast vorgeschlagen wurde. Als ich sie angeschrieben habe, hat sie mich zu einem ihrer Seminare eingeladen, damit ich mir ihre Arbeit erst einmal anschauen kann, bevor ich das Interview führen würde. So bin ich überhaupt erst in dieses Seminar gelangt – als beobachtende Journalistin. Und dann bin ich da aber „hängengeblieben“, habe mehrere Seminare absolviert und verstanden, dass das eine Ausbildung ist, wenn ich alle Seminare abschließe. Eine Ausbildung zum „Consultant for interconnective development“.

Diese Ausbildung habe ich erst einmal „nur“ für mich gemacht, weil ich ja auch immer noch meinen Job beim Fernsehen hatte und auch nicht den Plan hatte, beruflich in Richtung Coaching zu gehen. Aber dann habe ich während der Ausbildung mal ein Probe-Coaching geführt. Und danach fühlte sich das nach „Boah, das ist es, das ist voll meines!“ an.

Allerdings war es dann noch ein längerer Prozess. Zuerst habe ich die Fernseharbeit und das Coaching miteinander verbunden. Als Übergang habe ich Präsentations-Coachings gegeben – also Coaching vor der Kamera.

Und dann, wie ein Zeichen von oben, wurde zeitgleich mit dem Ende der Ausbildung meine Sendung beim Fernsehen eingestellt.

… bist du in einem Elternhaus aufgewachsen, was sehr offen und bewusst mit dem Leben umgegangen ist?

Wenn du die Begriffe „Spiritualität“ oder „Bewusstsein“ vor meiner Mutter nennen würdest, würde sie wahrscheinlich schreiend davonlaufen.
Gleichzeitig finde ich aber, haben meine Eltern mir sehr viel mitgegeben zu den Punkten „Offenheit“ und „Gastgeber sein“. Unsere Haustür war zum Beispiel immer offen. Jeder konnte jederzeit vorbeikommen. Mein Vater hat das als Libanese bestimmt schon im Blut und meine Mutter hat das einfach auch so gelebt.

Auch ein gewisser Optimismus – eine „das kriegen wir schon hin“-Einstellung habe ich zuhause vorgelebt bekommen.

Aber das Thema „Bewusstsein“ und wie ich nun bewusst meinen Weg eingeschlagen habe, das ist erst vor etwa 6 Jahren in mir herangereift. Also erst als ich erwachsen und auch selbst Mutter war. Ganz bestimmt sind da auch Wurzeln mit angelegt worden in meiner Kindheit, aber eben nicht unbedingt bewusst.

Ich glaube auch, dass die beiden verschiedenen Wurzeln, die ich in mir verbinde und somit auch unterschiedliche Konditionierungen, viel von meiner Person und vielleicht auch meinem Bewusstsein ausmachen.

… wer und was inspiriert dich?

Meine Kinder – immer wieder. Sowohl als sie klein waren, aber auch jetzt wo sie grösser sind. Und zwar in der Art wie sie manche Dinge sehen und aussprechen. Wie sie völlig unschuldig und unverkopft ihre Weisheiten raushauen.

Es sind oft die einfachen Dinge, die mich inspirieren. Wie zum Beispiel unsere Katze, die mich lehrt, alles nicht so wichtig zu nehmen und richtig viele Pausen zu machen. Ich stelle mir vor wie sie sich denkt: „Wie kann man sich eigentlich über so viele Dinge so aufregen?“

Und natürlich inspiriert es mich in der Natur zu sein. Dort merke ich immer, dass ich einerseits völlig unwichtig bin, weil ich eben nur ein winziger Teil von allem bin und gleichzeitig ein wichtiger Bestandteil des Ganzen.

Ich bin auch der Meinung, dass die schwierigsten Situationen in meinem Leben auch immer sehr inspirierend waren. Denn z. B. durch das Erlebnis der Geburt meines ersten Kindes habe ich mich auf die Suche nach einer Alternative gemacht. Ich war überzeugt, dass das so schmerzhaft und von außen eingreifend nicht von der Natur gedacht war. Dadurch bin ich auf Dr Djalali gestoßen, der die haptonomische Geburt in mein Leben gebracht hat. Bei dieser Form der Geburt gibt das Kind den Weg vor, es bringt sich ein bisschen wie selbst zur Welt. Die Geburt war auf diesem Weg weitgehend schmerzfrei.

Beruflich gesehen ist Christina Kessler mir Inspiration und Vorbild. Wie sie es z.B. schafft, nur mit dem inneren Kern ihres Gegenübers zu kommunizieren und das Ego ausblendet, das inspiriert mich sehr.

Mein Coaching-Leitbild kommt aus dem Buch „Momo“: Momo konnte so gut zuhören, dass die Menschen ganz schlaue Dinge erzählt haben und selbst auf die Lösung ihrer Probleme kamen.

… hast du dir schon mal die Frage gestellt, was du der Welt mit deinem Tun Gutes tun kannst oder bereits tust? Oder gibt es noch Veränderungsbedarf, sodass du damit zufrieden sein kannst?

Zufrieden sein ist ein gutes Stichwort! 😉

Grundsätzlich bin ich auf dem Weg vom Tun zum Sein und vom „richtig machen wollen“ zur Hingabe und zum Vertrauen. Dabei kommt mir aber immer wieder der Perfektionismus in den Weg. Allerdings sehe ich diesen auch als Antrieb.

Wofür ich mich schätze und was ich finde, was ich gut mache, ist wirklich hinzuhören – wirklich zuzuhören. Einen Raum zu schaffen, in dem das Gegenüber die Möglichkeit hat, sich zu öffnen.

Als ich neulich nochmal Interviews für ein Fernsehprojekt geführt habe, habe ich gemerkt, wie Transformation beim Sprechen passiert, wenn ich diese Coaching-Fähigkeit des wahren Zuhörens mit einsetze. Durch diese Art zu fragen, durch diesen Raum, den ich zur Verfügung stelle, kann da wirklich was entstehen was heilsam ist für den Menschen.

Und grade gestern hatte ich einen Mediationsprozess, bei dem ich zwischendurch dachte, „puh, ich weiß grad nicht weiter“. Ich habe mir dies dann auch bewusst zugestanden und dabei den Kopf geschüttelt. Und ich vermute, durch dieses Kopfschütteln habe ich wohl den Verstand ausgeschaltet denn dann kam mir der rettende Einfall. Ich habe die beiden Kontrahenten gebeten, sich ein paar Minuten in die Augen zu schauen. Das war in dieser Situation wirklich eine Herausforderung für die beiden. Aber es hat einen Unterschied gemacht, die Beziehung hat eine andere Qualität bekommen.

Es hat mir wieder gezeigt, dass mir dann die hilfreichen Dinge einfallen, wenn ich auf meine Intuition vertraue und mich führen lasse. Wenn ich mir selbst diesen Raum gebe.

… in welcher Form ist es für dich wichtig, Gleichgesinnte um dich zu haben? Tauschst du dich gerne aus über die Themen, die dich bewegen oder machst du vieles mit dir selber klar?

Um weiterzukommen habe ich am Liebsten tatsächlich ein Gegenüber. Ich komme auch zu Erkenntnissen übers Meditieren oder Atmen, aber ich liebe es, zu sehen, was entsteht wenn ich selber spreche und mit einem offenen Gegenüber reflektiere.

Und ich brauche Ruhe. Ich habe erst vor Kurzem herausgefunden, dass ich auch einen Eremiten-Anteil in mir habe. Ich dachte immer ich bin nur Kommunikation und Gesellschaft, aber ich brauche auch total den Rückzug. Und ich finde es inzwischen voll schön, dass ich mir mein Eremit sein auch zugestehe.

… ich glaube, das hängt aber auch mit dem persönlichen Entwicklungsprozess zusammen. Je mehr man versteht, je mehr man eintaucht, desto mehr braucht man auch diese Regenerationszeit. Der eine mehr, der andere weniger. Aber das Außen lenkt doch immer wieder ab und strengt an.

Ja, sehe ich auch so. Die Pausen braucht man, um all diese Erkenntnisse zu verdauen und zu verarbeiten. Auch braucht es manchmal eine Pause von der Reflektion. Es braucht auch manchmal dieses „überhaupt nichts tun“. Ich habe übrigens wieder angefangen eine Serie zu schauen. Weil ich da mal wirklich nichts tue. Und noch nicht mal meditiere.

Das genieße ich total, da tauche ich richtig ab und lasse mich einfach mal beschallen.

Und mir ist ein Verbund von Gleichgesinnten super wichtig. Sowohl mit den Menschen, mit denen ich das Selbstversorger-Experiment mache, aber auch die Menschen, mit denen ich im selben Bewusstsein schwinge.

… was bedeutet es für dich ein kreatives Leben zu führen?

Vor einiger Zeit hätte ich wahrscheinlich noch geantwortet „mich mit mir verbinden und aus dem Fluss heraus schreiben“. Das ist auch ein Teil von meiner Kreativität. Kreativ leben finde ich ne schöne Frage, weil das mehr ist, als nur kreativ sein.

Kreativ leben ist immer wieder zuzulassen, dass etwas Neues, ein neuer Gedanke, etwas, was ich noch nie so gesehen habe, Platz findet. Zum Beispiel eine Meinung oder ein Perspektivwechsel.  Oder einen Menschen, den ich vorher anders gesehen habe. Mich wirklich darauf einzulassen.

Und da stelle ich so gerne die Frage: „Was will das Leben von mir?“

Und nicht nur, was ich vom Leben will, sondern eben auch andersrum. Da auch wirklich hinzuhören, ob ich auf dem Weg bin, den das Leben für mich vorgesehen hat.  Wichtig ist für mich das Abgleichen.

Ich glaube, wenn ich mir diese Frage immer wieder stelle, dann bin ich kreativ. Weil ich dann einfach so offen und kreativ wie das Leben selbst bin.

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