die kunst ein bewusstes & kreatives leben zu führen
Janne Vollert, Köchin

Janne Vollert

Ich bin überzeugt davon, dass uns Vorbilder helfen können, unsere eigenen Wünsche und Ziele zu erreichen. Deswegen habe ich die Serie “conscious creatives auf den Zahn gefühlt” ins Leben gerufen. Hier möchte ich dir immer wieder Menschen vorstellen, die ihr Leben sehr bewusst und kreativ gestalten.


Janne Vollert ist zertifizierte pflanzenbasierte Köchin und Ernährungsberaterin und steht mir heute im Interview Rede und Antwort. Sie wird bei “Back to the wool“, dem nachhaltigen Strickretreat, für unser Wohl sorgen und uns kulinarisch verwöhnen. Mit ihrer Ausbildung, die sie am Plant Based Institute, dem T. Colin Campbell Center for Nutrition Studies sowie der Ecodemy absolviert hat, beschreitet sie neue Wege im Beruf des Koches und gibt in Hamburg auch Workshops zu diesen Themen.

Liebe Janne, …
… wann ist dir bewusst geworden, dass du das Kochen zu deinem Beruf machen möchtest und wie war dein Weg hierhin? Oder gab es nie diesen einen Moment und dein Leben hat sich einfach in diese Richtung entwickelt?

Es gab bei mir nicht diesen einen, magischen Moment. Es war ein Prozess. Ich bin sehr wissbegierig und lerne für mein Leben gern, und nachdem ich einen wissenschaftlichen Onlinekurs im Bereich pflanzenbasierte Ernährung absolviert hatte, wollte ich tiefer in das Thema einsteigen. So bin ich dazu gekommen, neben meinem damaligen Vollzeitjob eine Ausbildung zur pflanzenbasierten Köchin und Ernährungsberaterin zu machen – und während dieser Ausbildung habe ich dann gespürt, dass ich in meinem Leben wirklich etwas Grundlegendes ändern sollte. Weg vom Schreibtisch, raus aus dem „nine to five“-Trott, hin zu mehr Lebensfreude und Kreativität.

Die Kündigung habe ich tatsächlich durchgezogen, ohne zu wissen, was ich als nächstes tun sollte. Ich hatte keinen Plan, sondern habe mich auf meine Intuition verlassen. So begann meine Selbständigkeit.

Janne Vollert beim kochen

Copyright: Volker Hackmann

… bist du mit Eltern aufgewachsen, die sehr offen und bewusst mit dem Leben umgingen? Welcher Aspekt in deiner Erziehung hatte den nachhaltigsten Effekt auf dich?

Ich denke, meine Eltern haben mir etwas vorgelebt und mit auf den Weg gegeben, das man heute Achtsamkeit nennt. Schon immer standen bei uns die kleinen Dinge, die kleinen Freuden im Alltag und in der Natur im Vordergrund. Als Kind war ich viel draußen, habe gelernt, Vogelstimmen zu erkennen, Bäume und Pflanzen zu bestimmen, das Wetter einzuschätzen, mich in der Natur zu Hause zu fühlen. Das ist sicher einer der prägendsten Aspekte: die Verbundenheit mit der Natur, mit der Erde, mit dem Universum – eine tiefe Sicherheit und ein „Aufgehobensein” in der Welt.

“Ich habe festgestellt, dass man auch ohne Kreativität und Kunst ein kreatives Leben führen kann.”

… wer und was inspiriert dich?

Mich inspirieren Menschen, die ganz authentisch sie selbst sind, ohne sich dafür zu entschuldigen. Die für sich und andere einstehen. Zum Beispiel Vorreiterinnen der veganen Bewegung wie die Sportlerin Johanna Jahnke oder die Köchin Sophia Hoffmann, die sich beide auch interdisziplinär für andere Belange stark machen.

… irgendwann kommt wohl jeder Mensch, der sich bewusst mit dem Leben beschäftigt, zu der Frage, was er mit seinem Tun der Welt und den Menschen Gutes tut/tun kann. Hast du dir diese Frage schon einmal gestellt?

fruehstueck veganAls ich meinen Vollzeitzeitjob hatte, der mir absolut nichts bedeutete außer dem gedeckten Konto am Monatsende, habe ich mir diese Frage sehr oft gestellt und bin fast daran zerbrochen, gefühlt nichts Sinnvolles zu tun.
Nach der Kündigung und in meiner Ausbildung ist diese Frage dann in den Hintergrund gerückt. Seit ich hauptberuflich koche, Workshops und Kurse gebe, berate und auf Veranstaltungen mein Essen anbiete, wird dieses Thema eher von außen an mich herangetragen: „Janne, toll dass du jetzt anderen hilfst, gesünder zu essen“, „Alles vegan? Super, das ist ja besser für die Tiere, für die Gesundheit und für die Umwelt!“ oder „Wahnsinn, dein Essen ist so lecker“ – erst dadurch habe ich wieder begonnen, mir Gedanken dazu zu machen, was ich eigentlich beitrage. Ich glaube, es ist vielschichtiger, als ich im Moment erfassen kann. Aber es fühlt sich richtig gut an.

… in welcher Form spielen für dich gleichgesinnte Menschen eine Rolle? Tut es dir gut, dich zu den Themen, die dich tief bewegen, auszutauschen oder beschäftigst du dich lieber im Stillen damit?

Ich bin sehr gern mit mir allein, aber ich kann und mag nicht auf gute Gesellschaft verzichten. Smalltalk ist nicht mein Ding, da verstumme ich. Echter Austausch hingegen ist für mich sehr wichtig und ich empfinde solche Gespräche immer als unwahrscheinlich bereichernd. Ich habe einen eher kleinen Freundeskreis, aber diese tiefen Freundschaften sind sehr wertvoll für mich und ich pflege sie gut.

… was bedeutet es für dich ein kreatives Leben zu führen?

Lange dachte ich, dass nur Künstler wirklich kreativ sind. Für mich war Kreativität immer untrennbar mit den Künsten verbunden, und da ich keineswegs künstlerisch begabt bin, habe ich dieses Thema für mich, wenn auch ein wenig wehmütig, schlicht abgehakt. Ich habe aber festgestellt, dass man auch ohne Kreativität und Kunst ein kreatives Leben führen kann: ein Leben, in dem man mit Konventionen bricht, nichts auf Anforderungen und Erwartungen anderer gibt, mit weniger zufrieden ist, mehr auf die Liebe und die eigene Intuition hört, Beziehungen stärkt, Achtsamkeit übt, und dabei immer vor Allem man selbst ist.

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