die kunst ein bewusstes & kreatives leben zu führen

Dania König

Ich bin überzeugt davon, dass uns Vorbilder helfen können, unsere eigenen Wünsche und Ziele zu erreichen. Deswegen habe ich die Serie „conscious creatives auf den Zahn gefühlt“ ins Leben gerufen. Hier möchte ich dir immer wieder Menschen vorstellen, die ihr Leben sehr bewusst und kreativ gestalten.


Mein heutiger Interview-Gast ist Dania König, Sängerin und Songschreiberin aus dem Rheinland. Dania hat erstmals mit der Band „Königwerq“ auf sich aufmerksam gemacht, u.a. als Support Act bei Lionel Richie, PUR und Nena und als Teilnehmer beim Vorentscheid zum Eurovision Song Contest. Mittlerweile ist sie als Solo-Künstlerin tätig und schreibt nach wie vor sehr wunderschöne, eingängige Lieder mit tiefgründigen Texten.

Liebe Dania, …
… wann ist dir bewusst geworden, dass du beruflich singen möchtest und wie war dein Weg hierhin? Oder gab es nie diesen einen Moment und dein Leben hat sich einfach in diese Richtung entwickelt?

Ich habe schon immer singen wollen! Aber dass ich das beruflich machen wollte, das hat sich relativ spät entwickelt.
Ich habe angefangen Musik zu machen und Songs zu schreiben als ich 5 Jahre alt war. Und habe immer gesungen, getextet, Gedichte und auch Geschichten geschrieben.
Als ich in der zwölften Klasse war hatte ich dann eine Band. Es hat sich aber erst im letzten Schuljahr, kurz vor meinem Abitur, herausgestellt, dass ich Jazz- und Popularmusik studieren möchte. Weil ich bis dahin gar nicht wusste, dass es das überhaupt gibt.
Ich dachte bis zu diesem Zeitpunkt eher an Musiktherapie oder Musiklehramt. Und dann fragte mich ein Freund, warum ich denn nicht Popularmusik studieren würde. Und daraufhin hat sich dieser Weg so entwickelt.

Ich muss sagen, dass da erstmal wenig Bewusstheit dahinter war, ausser, dass ich das Gefühl hatte: „Ja, stimmt! Das macht total Sinn!“ Aber ich hatte damals noch keinen grossen Plan, was ich tun wollen würde.

Innerhalb des Studiums hat sich dann eine weitere Band gefunden. Damit begann der Weg mit „Königwerq“ und es ging dann mehr und mehr in diese Richtung, dass ich damit tatsächlich mein täglich Brot verdiene. Und darüber bin ich auch sehr dankbar.
Ich kann mir auch heute nichts anderes mehr vorstellen.

Es gab eine Situation nach dem Studium, da habe ich nach einer Richtung gesucht, weil wir innerhalb der Band auch ein bisschen Schwierigkeiten hatten zu entscheiden, wie es weitergehen soll. Da habe ich mich zum Meditieren hingesetzt mit der Frage „Warum mach ich das? Wofür bin ich hier? Was ist mein Job hier?“.
Es war tatsächlich so, dass mir während dieser Meditation ein Satz in den Sinn kam, als ich diese Fragen gestellt habe. Und der Satz hiess: „Ich will die Menschen berühren.“

Ich glaube, das hat mich sehr inspiriert auf meinem weiteren Weg. Das ist für mich ein Grundsatz und Grundstein geworden. Dass ich mit den Dingen, die ich tue, Menschen berühren will. Und da bin ich sehr dankbar darüber, dass es sich so entwickelt hat, dass ich das heute tun kann.

… bist du mit Eltern aufgewachsen, die sehr offen und bewusst mit dem Leben umgingen? Welcher Aspekt in deiner Erziehung hatte den nachhaltigsten Effekt auf dich? Was davon weisst du auch heute noch sehr zu schätzen?

Oh, alles! Ich bin meinen Eltern unglaublich dankbar. Ich glaube, ohne die Unterstützung meiner Eltern und die Erziehung, die Art meiner Eltern mit mir und meiner Schwester und dem Leben umzugehen, wäre ich nicht, wer ich heute bin.
Ganz besonders beeindruckt hat mich an meinen Eltern immer, dass sie immer echt waren. Sie waren immer ehrlich. Sie haben mir nichts vorgespielt. Es gab nie diese Ansage: „Du bist ein Kind, du kannst das noch nicht, du verstehst das noch nicht.“ Sondern mit uns wurde einfach gelebt. Meine Eltern haben das Leben mit uns geteilt. Es gab natürlich Regeln, Strukturen und alles, aber ich hatte nie das Gefühl, ich bin nicht genug oder ich bin zu klein für irgendwas oder es geht mich etwas nicht an.

Ich sehe das auch heute mit meinen Kindern. Wie meine Eltern mit meinen Kindern umgehen. Denn ich habe das Gefühl, diese Art mit Kindern umzugehen ist sehr selten geworden. Ich glaube heutzutage sind Menschen sehr schnell dabei, Kinder ein bisschen abzutun und nicht so ernst zu nehmen. Das habe ich ganz besonders gemerkt, als wir eine Zeit lang in Amerika gelebt haben. Da gibt es einfach eine extra Kinderwelt. Für alles! Kinder haben ein spezielles Essen, eine spezielle Schule, einen speziellen Platz, wo sie hinkönnen bei Konzerten…es ist so sehr getrennt und geteilt. Das hat mich dort sehr sehr gestört, weil ich immer das Gefühl hatte: Die müssen doch lernen mit uns zu leben. Sie müssen doch das Leben teilen, um es kennenzulernen. Und nicht überall einen Extra-Platz bekommen.

Das habe ich bei meinen Eltern gelernt. Und auch die Tatsache, dass uns nichts gesagt wurde, sondern, dass uns alles vorgelebt wurde. Es gab kaum Gründe über Regeln oder Verhaltensmuster zu sprechen. Weil wir an unseren Eltern gesehen haben, wie man miteinander umgeht und redet, wie man andere Menschen behandelt. Und das finde ich auch einen ganz wichtigen Aspekt, den ich auch versuche bei meinen Kindern umzusetzen. Dass ich nicht viel erklären muss. Sondern, dass sie dadurch, wie wir hier in der Familie miteinander umgehen, lernen und wissen, wie man in der Welt miteinander umgeht.

„Die Tatsache, dass ich mit meinem Leben Menschen berühren möchte, läuft wie so ein kleiner Fluss unter mir, neben mir und vor mir her.“

… wer und was inspiriert dich?

Es kann alles und jeder sein. Ich versuche einfach mit offenen Augen durch die Welt zu gehen. Und dann kann mich alles inspirieren. Von einem Sonnenaufgang über ein gutes Buch, ein nettes Wort von einem Menschen, ein Artikel in der Zeitung, eine Blume am Wegesrand bis zu meinem eigenen Geschirrspülwasser. Es kommt so ein bisschen auf das Mindset an.

Ganz ganz oft sind es meine Kinder und ganz ganz ganz oft ist es tatsächlich auch mein Mann. Ich denke, wer mit offenen Augen durch die Welt geht, kann von allem möglichen inspiriert werden.

… irgendwann kommt wohl jeder Mensch, der sich bewusst mit dem Leben beschäftigt, zu der Frage, was er mit seinem Tun der Welt und den Menschen Gutes tut/tun kann. Hast du dir diese Frage schon einmal gestellt?

Ja, natürlich, die stelle ich mir auch täglich immer wieder!
Wie ich vorher bereits erzählt habe, ist es mein Anliegen, Menschen zu berühren. Dass das der Grund ist, warum ich hier bin. Dazu zählt aber nicht nur die Musik. Natürlich beeinflusst mich das sehr in meiner Arbeit, in den Songs, die ich schreibe, indem was ich auf einer Konzertbühne veranstalte. Aber es beschäftigt mich auch im täglichen Leben.
Auch wenn es ein bisschen albern klingt, aber ich möchte gerne als Segen durch die Welt gehen. Ich möchte für meine Kinder etwas Gutes tun, ich möchte aber auch für andere Kinder etwas Gutes tun. Oder für unsere Nachbarn, oder die Community in der wir hier leben. Ganz egal.

Das gelingt einem natürlich nicht immer. Man hat auch mal schlechte Tage, ist schlecht gelaunt oder will von gar nichts etwas wissen. Wenn grade viel los ist, man überfordert ist oder selbst Probleme hat. Aber grundsätzlich glaube ich, läuft die Tatsache, dass ich mit meinem Leben Menschen berühren möchte, wie so ein kleiner Fluss unter mir, neben mir und vor mir her.

… in welcher Form spielen für dich gleichgesinnte Menschen eine Rolle? Tut es dir gut, dich zu den Themen, die dich tief bewegen, auszutauschen oder beschäftigst du dich lieber im Stillen und in deiner Musik damit?

Es gehört beides dazu. Ich bin ein sehr selbstreflektierender Mensch und ich brauch viel Alleinsein und Ruhe. Ich krieg sie nicht immer, denn ich habe 3 Kinder und mein Mann ist super oft auf Tour. Was bedeutet, dass ich hier natürlich allein verantwortlich bin, für alles, was 3 Kinder so mit sich bringen. Das heisst, ich hätte eigentlich meistens ganz gern ein bisschen mehr Zeit und Ruhe, um mich im Stillen mit Dingen zu beschäftigen, die mir wichtig sind. Das gelingt nicht immer, aber ich habe versucht, mir im Alltag kleine Oasen zu bauen. Dazu gehört, dass ich mir immer mal wieder selbst bewusst mache, tief durchzuatmen oder mal in kleinen Schlucken ein Glas Wasser zu trinken. Mal rauszugehen und in den Himmel zu schauen. Dass ich mich einfach immer wieder fokussiere. Mich selbst frage, wie es mir gerade geht. Und ich mir dann auch zuhöre. 😉
Das finde ich einen ganz wichtigen Punkt.

Insofern, ja, ich mache sehr viel und gerne mit mir selbst aus. Ich brauche das ja auch, weil auch gerade daraus neue Ideen und Songs entstehen. Da braucht man einfach viel Ruhe und Einsamkeit.

Es ist aber auch unheimlich wichtig, dass ich weiss, dass ich damit nicht alleine bin. Dass ich mich mit Menschen austauschen kann. Ich habe einige wunderbare Freunde, die da genauso ticken wie ich. Da weiss ich, ich kann ankommen und ihnen etwas erzählen, was ich gelesen habe oder was mich gerade bewegt. Und ich weiss, die finden das nicht komisch, albern oder seltsam, denn denen geht´s genauso und sie können auch so zu mir kommen.

Der allerwichtigste Mensch in dieser Hinsicht ist mein Mann. Da sind wir uns beide sehr ähnlich. Wir können beide gerne alleine sein und haben aber beide auch diesen guten Austausch miteinander. Wir verstehen uns einfach sehr sehr gut in dieser Hinsicht. Wir wissen auch schon wie der andere tickt. Wenn wir dann über solche Themen miteinander sprechen, ist das auf jeden Fall sehr fruchtbar und wichtig. Da bin ich ihm sehr dankbar für.

… was bedeutet es für dich ein kreatives Leben zu führen?

Ein kreatives Leben hört für mich nie auf und es beinhaltet mehr, als nur meinen Job. Und ich bin nicht nur kreativ, wenn ich auf einer Bühne stehe oder wenn ich im Studio bin und etwas produziere, oder wenn ich am Klavier oder der Gitarre sitze und Songs schreibe, sondern ich versuche tatsächlich meine Kreativität auszudehnen auf alle Lebensbereiche. Das gelingt mal mehr und mal weniger. Es muss auch nicht immer funktionieren. Manche Tage sind einfach, wie in jedem Leben, gefühlt für die Tonne.

Ich glaube, dass man gerade auch aus Zeiten, in denen man sich extrem unkreativ fühlt, eine Kraft schöpfen kann. So wie ein Baum im Winter. Dass man das irgendwie braucht. Man kann nicht immer Output haben. Und manchmal muss man sich tatsächlich erstmal wieder auffüllen.
Ich liebe dieses Bild von diesem Brunnen mit den drei Schalen. Eine Schale ist voll und fliesst über in die nächste. Und erst wenn diese Schale dann voll ist, fliesst sie wieder über in die nächste.

Das ist für mich ein ganz wichtiges, schönes Bild. Weil es uns zeigt, dass wir uns auch immer wieder auffüllen lassen müssen. Das ist keine aktive Sache. Das hat nichts damit zu tun, dass wir etwas tun müssen, damit wir kreativ werden. Sondern wir müssen uns öffnen. Das finde ich super wichtig, dass man das oft genug im Kopf hat. Dass man offen bleibt, auch für die kleinsten und scheinbar unwichtigen Dinge des Lebens. Weil diese Dinge uns auffüllen und zum überfliessen bringen.

Copyright Fotos: Dania König