die kunst ein bewusstes & kreatives leben zu führen
Ann Cathrin Schönrock

Ann Cathrin Schönrock

Ich bin überzeugt davon, dass uns Vorbilder helfen können, unsere eigenen Wünsche und Ziele zu erreichen. Deswegen habe ich die Serie “conscious creatives auf den Zahn gefühlt” ins Leben gerufen. Hier möchte ich dir immer wieder Menschen vorstellen, die ihr Leben sehr bewusst und kreativ gestalten.


Ann Cathrin Schönrock aus Berlin ist heute mein flauschiger Interview-Gast. Sie hat in den letzten Monaten die Firma „modus intarsia“ auf die Beine gestellt und begeistert nun mit ihrer nachhaltig produzierten, hochwertigen Hundewolle „Chiengora“ die Strickwelt.

Liebe Ann Cathrin, …
… wann und wodurch bist du auf die Idee gekommen, modus intarsia zu gründen?

Das hat sich durch meinen persönlichen und beruflichen Hintergrund entwickelt. Ich habe Mode-Design studiert und mich immer mehr auf Strick-Design fokussiert. Dadurch, dass mir der Nachhaltigkeits-Aspekt in meiner Arbeit immer wichtig war, habe ich mich auch im Strick-Design mit den Rohstoffen und der Wolle auseinandergesetzt. Parallel dazu ist meine Mutter immer mehr in die Hundewelt eingedrungen, hatte inzwischen mehrere Hunde der gleichen Rasse und bewahrte ganz automatisch die ausgekämmte Hundewolle auf, da sie einfach „zu schade zum wegwerfen“ war. Und irgendwann lag ich im Bett und dachte: „Warum macht das eigentlich niemand?“

Erst dachte ich mir, wahrscheinlich gibt es daran einen riesengrossen Haken, den ich aber gerade nicht sehe. Und so geht es mir eigentlich seit einem Jahr. Weil ich die ganze Zeit denke, dass es so logisch ist, dass man aus ausgebürsteten Hundehaaren Wolle produzieren könnte, aber warum um alles in der Welt macht es bisher keiner? Und ich warte immer noch auf den Moment, dass ich auf ein grosses, totales No-Go treffe und mir dann denke: „Ach so, hätte mir das nicht irgendjemand sagen können?“

… um eine solche Idee praktisch umsetzen zu können, muss man ja eine gewisse Offenheit dem Leben gegenüber haben. Bist du in einem Elternhaus aufgewachsen, welches dir eine solche Offenheit vorgelebt hat oder hast du dir diese Offenheit selbst angeeignet?

Ich würde sagen, dass ich mir das selbst beigebracht habe. Meine Eltern hatten schon immer sehr genaue Vorstellungen davon, wie ein Leben so zu sein hat und was man wann macht.
Ich bin mir inzwischen total sicher, dass die Entwicklung, die mich hierher geführt hat, meine Reise nach dem Abi war. Ich war ein Jahr alleine auf Reisen, mit dem Wunsch, zu mir zu finden und herauszufinden, was ich will im Leben. Dabei habe ich so viele Menschen kennengelernt und bin dadurch mindestens dreimal so weltoffen geworden wie vorher. Vermutlich wäre ich ohne die Reise immer noch in dem kleinen Dorf, in dem ich aufgewachsen bin, und hätte mich gar nicht getraut rauszugehen. Und erst recht nicht mit so einer Idee.

Hast du dich auf der Reise dann auch gefunden?

Überraschung: Nicht so richtig. Auf jeden Fall aber habe ich mich wahnsinnig weiterentwickelt. Und ich bin mittlerweile überzeugt, dass ich durch diese Reise, aber auch durch die Entscheidungen, die ich auf dieser Reise getroffen habe, auf den Weg gekommen, auf dem ich mich jetzt befinde. Auch bin ich sicher, dass ich mich auf dem richtigen Weg befinde. Obwohl dieser Weg ziemlich viele Umwege genommen hat in den letzten Jahren.

Mein erstes Studium in englischer und französischer Linguistik zum Beispiel. Das benötige ich jetzt nicht. Trotzdem hat es mich mental und kognitiv weitergebracht. Und ich habe dadurch viele Freunde und auch meinen Lebenspartner kennengelernt.

… wer und was inspiriert dich?

Ich habe keine speziellen Personen, an denen ich mich orientiere. Mehr bin ich vom aktuellen Zeitgeist inspiriert, von Online-Communities und auch von alltäglichen Dingen, die mir begegnen. Ich versuche, das Besondere im Ordinären zu finden.

Im beruflichen Bereich vertraue ich darauf, dass es einfach aus mir herauskommt und aus den alltäglichen Inspirationen, die ich finde. Wenn man in der Ausbildung ist, ist es aber total hilfreich, sich an den Arbeiten anderer zu orientieren, weil man dadurch viel lernen kann. Ich für mich sehe mich nicht als die nächste grosse Mode-Designerin, weil ich auch aufgehört habe, daran zu glauben, es sei etwas Erstrebenswertes. Denn Kunst hat immer sehr viel mit leiden zu tun. Und ich habe beschlossen, dass ich nicht mehr leiden möchte.

… irgendwann kommt wohl jeder Mensch, der sich bewusst mit dem Leben beschäftigt, zu der Frage, was er mit seinem Tun der Welt und den Menschen Gutes tut/tun kann. Hast du dir diese Frage schon einmal gestellt?

Ja, auf jeden Fall! Diese Gedanken sind auch tatsächlich während des Reisens das erste Mal gekommen. Das hat alles angefangen, als ich im Ausland unterwegs war. Ich habe viele Familien kennengelernt, die sich mit der Umwelt auseinandergesetzt haben. Dadurch bin ich dann erstmal auf Themen wie Permakultur gestossen. Deswegen hat sich das Thema, glaube ich, in meinem Leben als grüner Faden durchgezogen. Dass ich mir immer überlegt habe, seit Anbeginn des Mode-Design-Studiums, wie man das möglichst nachhaltig oder umweltbewusst gestalten kann. Was gerade in diesem Bereich sehr schwer ist.

Mit modus intarsia hoffe ich, Menschen ein bisschen die Augen zu öffnen, wie sehr wir verlernt haben, die Ressourcen, die uns zur Verfügung stehen, zu sehen. Das Sehen haben wir, glaube ich, verlernt. Ich wünsche mir, dass sich die Menschen davon lösen können, was sie gelernt haben. „Das ist jetzt Wolle und das ist keine Wolle.“ Dass sie sich davon frei machen. Und dadurch wieder viel mehr im Einklang mit der Natur sein können.

… in welcher Form spielen für dich gleichgesinnte Menschen eine Rolle? Tut es dir gut, dich zu den Themen, die dich tief bewegen, auszutauschen oder beschäftigst du dich lieber im Stillen damit?

Ich tausche mich total gerne aus. Ab einem bestimmten Punkt. 😉
An der Idee mit modus intarsia habe ich zum Beispiel 6 Monate im Stillen gearbeitet, bis ich bereit war, mit anderen Menschen darüber zu sprechen.
Aber generell, gerade mit der Thematik der Nachhaltigkeit in der Mode-Branche, ist es mir sehr wichtig, diesen Austausch zu haben. Das habe ich vorhin mit der Inspiration über die Community gemeint. Ich bin sehr dankbar für den Online-Austausch, der heute möglich ist.

… was bedeutet es für dich ein kreatives Leben zu führen?

Hm, das ist ne schwere Frage…
Es bedeutet mir generell viel. Ich kann mir gar nicht vorstellen, ein anderes Leben zu führen, als das, was ich aktuell führe. Ich war schon immer sehr kreativ, deswegen war ich wohl auch noch nie in einer Festanstellung. Das hat auch viel mit Freiheit zu tun. Kreativ ausleben kann man sich vermutlich in allen Facetten des Lebens. Und für mich ist das so natürlich und selbstverständlich, dass es mir schwer fällt, das genauer in Worte zu fassen.

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